Archiv für den Monat März 2010

Das Leben der anderen (Mi-Ma-Mauseloch)

Dienstag, 23. März 2010

Lieber brotlos in Bruchsal als rechtlos in Karlsruhe, sage ich mir heute morgen seit dem Aufstehen umso mehr. Aber zurück auf Anfang: Dieser Blog heißt zwar Brotlos in Bruchsal, und soweit stimmt das ja auch, weil ich in Bruchsal meiner brotlosen, aber doch oft sehr erfüllenden Kunst und Arbeit nachgehe. Meine Wohnstätte befindet sich aber, seit ich vor fast einem Jahr ins schöne Badner Land gezogen bin, in Karlsruhe. Ein bisschen Großstadtfeeling wollte ich auch hier, fern der bayerischen Heimat, genießen, und ausserdem gestaltete sich die Wohnungssuche letztes Jahr in Bruchsal eher schwierig. Schon da war ich sehr verwundert über die große Wissbegier mancher Vermieter (wie oft ich koche, wann ich nach München fahre und wie oft ich Besuch bekomme, was ich so für Hobbys habe und wie meine Arbeitszeiten sind, ach und ob es mich stören würde in einem Raum ohne Fenster und Telefonanschluss zu leben).

Also auf nach Karlsruhe: Dort lebte ich dann friedlich ein halbes Jahr in einer WG zur Zwischenmiete, bis vor zwei Wochen. Seitdem vegetiere ich in einem Mi-Ma-Mauseloch in der Karlsruher Südstadt vor mich hin. Günstig sollte es sein, und, die Dollarzeichen in den Augen, sagte ich nach einem kurzen Besichtigungstermin zu und zog in ein 10 qm-Loch mit winzigem Dachfenster, durch das man, an schönen Tagen ein winziges Stück Himmel sehen kann. ICH VOLLIDIOT!

Aber damit nicht genug. Nachdem an meinem ersten Abend hier, gleich mal der Wasserhahn in der Küche den Geist aufgegeben hat, und eine Woche (in der sich das schmutzige Geschirr stapelte) nicht repariert wurde, stand ich nach meiner ersten Wäsche mit einem Arm voll triefend nasser Kleider in meiner Höhle, die sich Zimmer nennt. Die nassen Kleider tropften trist auf den Fussboden und auch in meinen Augen bildeten sich Pfützen, die sich mit dem Wäschewasser auf dem Boden zu einem See der Traurigkeit verbanden! Haaaaaaach!

Und gestern abend: Rohrbruch! Das ganze Wohnzimmerchen stand unter Wasser, der Boden ist aufgeweicht, die Sofas durchtränkt, dazu tropft Wasser aus dem Kühlschrank, und irgendeiner meiner Mitbewohner hat meine Milchtüte geöffnet, und sie dann schlauerweise schlecht verschraubt wieder in den Kühlschrank gelegt, wodurch sich nun ein kleines Milchrinnsal durch die Küche zieht. Atlantis liegt in Karlsruhe! Ich muss hier raus, und zwar schnell, nach mir die Sintflut!

Und heute morgen werde ich wach, weil meine Vermieterin in meinem Zimmer steht. Anklopfen wird ja völlig überbewertet, ist ja schließlich ihre Bruchbude, ich zahl ja hier nur Miete und soll auch noch in einem etwas fragwürdigen Verfahren eine Kaution hinterlegen. Mit der Kaution, das hat sie sich nämlich so gedacht: Sie hat vor Jahren einmal eine Kaution für die ganze Wohnung eingezogen, und die Mieter holen sich ihren Kautionsteil nun immer vom jeweiligen Nachmieter zurück. Feine Sache! Da liegt das Geld jahrelang auf ihrem Konto, es arbeitet fröhlich vor sich hin, wirft hie und da mal ein paar kleine Zinsen ab, und ihre Mieter übernehmen ihren Job!

Heute morgen kam sie dann mal vorbei um nach dem Rechten zu sehen. Unterhielt sich erst lautstark mit meinem Mitbewohner vor meiner Zimmertür darüber, was ich für seltsame Ansichten hätte, von wegen Verzinsung, und so weiter, und dass ich hier auch gleich wieder ausziehen wolle, wäre ja sowieso eine Unverschämtheit, und dann dachte sie sich wohl, nach guter alter Stasi-Manier: Mal sehen, wie dieser unverschämte Mensch so haust, der sich hier herausnimmt, auf Mieterrechte zu pochen. Schwupps, dachte sich’s und reißt die Tür auf. Schaut etwas verdutzt in mein verschlafenes und stinkwütendes Gesicht, dass ihr entgegen schleudert, ob sie schon einmal etwas von Privatsphäre gehört habe, und schaut sich aber dann in aller Ruhe noch ein wenig um. Hallo? Ich hätte ja auch grade mal nackt Kopfstand machen können, in meiner kleinen Zelle.

Nachdem sie die Tür dann irgendwann mal wieder zumachte, erkundigte sie sich noch ein wenig über die übrigen Mitbewohner und wie es denn so mit der Sauberkeit aussähe. Das frage ich mich allerdings auch: Ist die Frau noch ganz sauber????

Mir jedenfalls reicht es, so eine Dreistigkeit, und das in Karlsruhe, in der Stadt des Rechts. Nein, ich ziehe am 1. Mai in eine schnuckelige Wohnung in Bruchsal, wird sowieso gnadenlos überschätzt, die Großstadt :-)